Acht intensive Tage im Norden Vietnams
Ein Reisebericht von Hildegard Hagemann (ehemals Kolping International), aus dem Jahr 2021
Meine erste Reise in den Norden verband das Nützliche mit dem Feierlichen. Während die Tage in Hanoi durchgetaktet waren mit Treffen von Regierungseinrichtungen, internationalen Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen sowie Handelspartnern der GEPA konnten wir mit vielen Kolpingsfamilien auch den Josefstag begehen. Den Kolpingmitgliedern war der Besuch des nationalen Vorstands und des Präses besonders bei den großen Feierlichkeiten in der Diözese Vinh ebenso willkommen wie die kleinen Seminare zur Vorstellung der Zusammenarbeit mit der neuen Fachkraft aus Deutschland. Wichtig waren in jedem Fall auch die informellen Kontakte und die gemeinsamen Festessen bei den Kolpingsfamilien in Vinh, Cua Loc, Bach Lo, Phin Ho und Nghia Lo. Die Kolpingsfamilien in Vietnam begehen den Josefstag festlich. Beeindruckend war die Zahl der Kolpingschwestern und -brüder, die im pastoralen Zentrum von Vinh zusammenkamen. 800 Menschen feierten zusammen Messe, die von Bischof Alphonse, der seit zwei Jahren Bischof von Vinh ist, zelebriert wurde. Diejenigen, die morgens nicht ins Pastoralzentrum kommen konnten, feierten in ihrer täglichen Abendmesse den Josefstag und diskutierten mit dem Besuch aus Ho Chi Minh-Stadt, wie in der Gemeinde Cua Loc. Auch hier gab es beeindruckende Zahlen an jungen und alten Kirchgängerinnen und Kirchgängern.
Ein besonderes Highlight war der Ausflug in das Primatenschutzzentrum im Nationalpark Cuc Phuong. Hier arbeitet schon seit 2002 Elke Schwierz, die vom Zoo Leipzig entsandt ist, momentan als Interimsleiterin des Zentrums. Sie kooperiert mit den Kolpingjugendgemeinschaftsdiensten, die über das „weltwärts-Programm“ junge Menschen nach ihrem Schulabschluss in viele Länder vermitteln, u.a. auch nach Vietnam zu vier im Naturschutz tätigen Partnerorganisationen. Die Corona-Pandemie hat das Programm abrupt unterbrochen, aber Überlegungen zum Neustart sind gemacht, sobald es wieder möglich ist. Der Besuch wurde auch genutzt, Khoi Binh Vietnam dieses Programm vorzustellen, denn leider kennen sich die Akteure bisher nicht. Die letzte Etappe der Reise wurde mit einem Besuch bei einem GEPA-Handelspartner eingeleitet. Craftlink arbeitet mit ethnischen Minderheiten zur Erstellung von Kunsthandwerk und zur Vermarktung über den fairen Handelspartner GEPA zusammen. Da konnte ich nicht widerstehen und ein wunderbarer orangener Seiden-Leinenmixschal wechselte die Besitzerin und kam anschließend in der Pfarrei Bach Lo gut zum Einsatz. So wurde am Festtag des Heiligen Josefs, des Handwerkers, am 1. Mai, mit einer Kolpingsfamilie diskutiert und zelebriert. Starke Jungkolpinggruppen fragten nach Möglichkeiten der Vernetzung mit anderen Jungkolpinggruppen. Kolpingmitglieder waren an einer ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft interessiert und auch das Interesse von Unternehmerinnen an Mikrokrediten zum Aufbau kleiner Geschäfte war groß.
Die Reise führte dann in die Pfarrei Phinh Ho, die überwiegend von der ethnischen Minderheit der H’mong bewohnt ist. Hier wurde das Sanitäre Anlagen-Projekt der letzten Weihnachtsspendenaktion von Kolping International vorgestellt. Dieses Mal ging es jedoch um die Weiterverarbeitung und Vermarktung eines speziellen grünen Tees, der hier besonders gut wächst, mithilfe des sozialen Unternehmens, das Khoi Binh in Ho Chi Minh-Stadt aufbaut. Hier ist Beratung gefragt zum Aufbau von Kooperativen, aber auch bei Zertifizierungen für ökologischen Anbau in Vietnam. Die Zeit bis zur Abfahrt des bequemen Reisebuses zurück zum Noi Bai International Airport in Hanoi galt der 115 Jahre alten St. Theresagemeinde in Nghia Lo, wo eine Jungkolpinggruppe ein Recycling-Projekt ins Leben gerufen hat.52 Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren engagieren sich hier, um Geld für karitative Zwecke zu erwirtschaften. Aber durch die Einnahmen sollten auch schöne Kolping-T-Shirts angeschafft werden, denn das belebt die Motivation für gemeinsame Anstrengungen. So ging es für mich schließlich zurück nach Ho Chi Minh-Stadt mit einem Rucksack voller Eindrücke und Aufgaben.
Dr. Hildegard Hagemann, AK „Eine Welt“ (Vietnam)
war Fachkraft für Verbands- und Projektentwicklung der Kolpingverbände in Asien für Kolping International