Geistlicher Impuls im Oktober

30.09.2026 | „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ – Kennen Sie dieses Zitat von dem großen Philosophen Friedrich Nietzsche? Ich finde, er hat recht. Als ich begann, diesen Impuls zu schreiben, hatten wir gerade den Jahreshöhepunkt erreicht. In diesen Wochen erklang wieder häufiger das Lied Nr. 465 aus dem Gotteslob. „Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht.“ Dieses Lied mit seinen vier Strophen führt uns beschwingt durch die Jahreszeiten und irgendwie auch durch das Leben. Lieder geben uns auf einzigartige Weise die Möglichkeit, Emotionen in ganz besonderer Art zum Ausdruck zu bringen. Wer hat nicht beim einen oder anderen Lied schon einmal geweint? Wer hat nicht schon oft beim einen oder anderen Rhythmus beschwingt mit dem Fuß im Takt mitgewippt oder vor Freude einfach darauf los getanzt? Musik kann uns in verschiedenen Lebenslagen abholen, berühren und helfen, auch mit schwierigen Situationen des Lebens umzugehen.
Wenn wir über Lieder sprechen, die Trost spenden, kommen wir unweigerlich auf Dietrich Bonhoeffer. Ich glaube, niemand, der je das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen ...“[1] gehört hat, konnte sich seinem Zauber und Trost entziehen. Dabei führt uns Bonhoeffer zielgenau auf den hin, um den es geht: Gott, der immer mit und bei uns ist, „am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag“.
Dieses Vertrauen in Gott führt uns auch Pfarrer Arno Pötzsch eindrücklich vor Augen: „Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“[2]. Sein später als Lied in den evangelischen Gesangbüchern niedergeschriebenes Gedicht bezeugt, dass wir mit Gottes Hilfe und an seiner Seite alle Situationen des Lebens be- und durchstehen können. Damit wir diesen Emotionen besser Ausdruck verleihen können, hat Gott, so bin ich mir sicher, uns die Musik geschenkt.
Im Jahreszyklus spiegeln Lieder die Stimmung der Jahreszeiten wider. So langsam hält der Herbst Einzug, die ersten Nebelschwaden ziehen über die Felder. Auch der Herbst wurde schon von den meisten von uns im Kindergarten besungen: seine „bunten Wälder und gelben Stoppelfelder“, wenn er beginnt. Oder mit welchem „Hei hussassa“ wurde der Herbst gesanglich begrüßt, wenn er uns den Wind bringt. Es folgen die tristen und nebelgrauen Tage des Novembers, ehe der Advent als eine ganz besondere Zeit mit ihren ebenso bedeutungsvollen Liedern uns wieder hinführt zum Fest der Ankunft unseres Erlösers Jesus Christus. Welche wortgewaltigen Stücke und stimmungsvolle Musik uns hier erwarten, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Wie schön das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn wir endlich das Lied der „Stillen Nacht“ in den Kirchen singen und mit diesem Lied die Dunkelheit durchbrochen wird!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie, egal in welcher Lebenslage Sie sich befinden, die Musik Ihnen immer Kraft und Halt geben kann. Mögen die Lieder, welche die fröhlichen Lebensabschnitte besingen, bei Ihnen überwiegen.
Eines ist Ihnen immer gewiss: die Zusage Gottes, dass er immer bei Ihnen ist, egal, ob es gerade leicht ist oder vielleicht auch einmal etwas schwerer. Er ist „das Licht der Welt“ und „Das Licht, das allem Finsteren wehrt“[3].
 
Jürgen Vorbringer
Ständiger Diakon in Ausbildung


[1] EG 65
[2] EG 533
[3] „Du bist das Licht der Welt“, Text und Melodie: Helga Poppe, 1977