Patentes Miteinander

Das Kleiderkarussell der Kolpingsfamilie Haslach/Kinzigtal stattet viele Familien vorbildlich aus.

Tatkräftiges Team: Angelika Haberstroh, Elvira Moser, Elfriede Stöhr, Irmgard Hammermeister (v.li.)
Die Kolpingsfamilie (KF) Haslach/Kinzigtal betreibt seit 16 Jahren ein Kleiderkarussell. Dafür braucht es viele Helferinnen. Auch die neu bezogenen Räume hat die KF in 1600-Stunden Gemeinschaftsarbeit wieder hergerichtet.
 
Säuberlich gefaltet liegen Hemden, Poloshirts und Blusen im Regal. „Langarm Blusen XXL“ oder „Kurzarm Poloshirt L“ steht auf Plastikschildchen darunter. Alles ist gut durchdacht: Die Sommersachen liegen direkt auf Augenhöhe, Winterkleidung wurde nach oben gepackt. Bunte Damenkleider hängen nach Größen geordnet auf einem Kleiderständer. „Es steht überall dran, was Sache ist“, sagt Elfriede Stöhr nicht ohne Stolz. Die 59-Jähre von der Kolpingsfamilie Haslach/Kinzigtal und ihr Bruder Heinrich Stöhr, Vorsitzender der KF, haben das Kleiderkarussell vor 16 Jahren gegründet. Jeden Montag und jeden zweiten und vierten Freitag ist der Second-Hand-Laden offen für alle, die sich dort einkleiden möchten.
 
Viele Kolpinggeschwister bringen sich ein
Dafür braucht es viele helfende Hände – 16 Frauen, viele aus der Kolpingsfamilie, machen regelmäßig mit. Das Kleiderkarussell ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Das fing schon bei den Örtlichkeiten an. Im Oktober 2024 haben sie neue Räume bezogen, gemietet vom Roten Kreuz. Neben dem Kleiderkarussell haben sie auch eine Nähstube eingerichtet, die zugleich als Computerraum fungiert. „In 1600 Stunden Eigenregie hat unsere Kolpingsfamilie die ehemalige Zimmerei umgebaut“, berichtet Heinrich Stöhr. Eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen ist Angelika Haberstroh. Im Sortierraum ordnet sie die abgegebene Kleidung: „Das Problem sind die Etiketten. Wenn die fehlen, müssen wir immer die Größe vergleichen“, erklärt sie fachmännisch.
Für bis zu fünf Euro kann man hier nicht nur Second-Hand-Kleidung oder Schuhe kaufen. Es gibt auch Schulranzen, Kinderbetten, Spiele, Puzzles und Kinderbücher, Kuscheltiere, Tisch- und Bettwäsche. Auch Bobbycars und Fahrräder sind im Angebot. Sogar ein Hochzeitskleid hängt an einer Stange. „Wir nehmen an Kleiderspenden nur an, was intakt und sauber ist“, erklärt Elfriede Stöhr. Viele Menschen decken sich aus finanziellen Gründen hier ein, manche aber auch der Nachhaltigkeit wegen. Die Qualität spricht sich rum. „Die Kund*innen kommen aus einem Umkreis von über 20 Kilometern“, so Heinrich Stöhr.
 
Elfriede Stöhr zeigt einem Kunden eine Auswahl an Jeanshosen.
Die Hose gefällt auch der Ehefrau
Die Besucher*innen werden von einer Theke aus bedient. Gerade widmet sich Elfriede Stöhr einem Paar aus der Ukraine. Der Mann sucht eine Jeans. In der Umkleide nebenan verschwindet er und kommt kurz darauf mit einer passenden Hose wieder heraus, die auch seiner Frau gefällt.
Auch Notfälle gibt es immer wieder. Wie die schwangere Frau ohne Geld, erinnert sich Elfriede Stöhr. „Wir haben sie vollständig für ihr Baby ausgestattet.“ Der Glaube müsse kreativer werden, findet sie, die auch Geistliche Leiterin der Kolpingsfamilie Haslach ist. Die Arbeit hier habe zugleich etwas Handfestes und Kreatives. Worauf sie besonders stolz ist? „Ich habe total tolle Mitarbeiterinnen.“         Manuela Blum                                                                            
 
Kleiderkarussell in Zahlen 2025
Im Jahr 2025 wurden an 29 Öffnungstagen (Stand Mitte Juni) jeweils elf und mehr Haushalte bedient. Insgesamt waren bis dahin 182 Haushalte vertreten. Das heißt, dass im laufenden Jahr 589 Menschen versorgt wurden, davon 271 Kinder. Mit einem Tag der offenen Tür wurde nun das 15-jährige Bestehen nachträglich gefeiert. Dabei wurden auch die Räume gesegnet.