Geistlicher Impuls im Mai

Im Kirchenjahr gibt es immer wieder Marienfeste. Der Monat Mai ist besonders der Verehrung von Maria gewidmet. Dabei wird Maria aber nicht als Göttin verehrt. Sie ist und bleibt Mensch. Sie wird von Gott auserwählt, die Mutter von Jesus zu werden. Und im Vertrauen auf Gottes Wort spricht sie ihr „Ja“. Dadurch wird sie zur „Mutter aller Glaubenden“ Adolph Kolping hat in seiner Seelsorge und seinem Engagement für die katholische Sozialbewegung auch die Verehrung der Gottesmutter Maria betont. So schreibt er einmal: „Die Gottesmutter ist uns allen eine Mutter. Sie schaut mit Liebe auf uns und führt uns zu ihrem Sohn.“
„Ja, mir geschehe nach deinem Willen“. Gottes Wille soll geschehen. Mit diesem „Ja“ kann sich das Leben von Maria entfalten als Abenteuer mit Gott, als Weg ins Ungewisse, voller Überraschungen, Fragezeichen, Höhen und Tiefen. Doch immer war Gott das Ziel dieses Weges, die Mitte des Lebens von Maria. Maria ist durch ihr bedingungsloses „Ja“ zu einer Frau geworden, die Gott ganz nahekommt, in ihr berühren sich das Göttliche und das Menschliche auf einzigartige Weise. Deshalb wird sie von vielen Menschen auch als Fürsprecherin angerufen.
Maria zeigt uns durch ihr Leben und Tun den schützenden, uns zugewandten, bergenden Gott. Und so entstand im Laufe der Zeit das Motiv der Schutzmantelmadonna. Das Motiv der Schutzmantelmadonna ist sehr alt. Es taucht bereits in einem der ersten Mariengebete überhaupt auf, das den Titel „Sub tuum prraesidium“ zu Deutsch „Unter deinem Schutz und Schirm“ trägt. Dieses Gebet ist bereits in einem griechischen Papyrusfragment aus dem 3. Jahrhundert nach Christus bezeugt. In dem Lied „Maria breit den Mantel aus“ ist dieser Gedanke sehr schön aufgenommen worden: „Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus. Lass uns darunter sicher stehn, bis alle Stürm vorübergehn. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.“
Vielleicht hilft uns dieses alte Marienlied gerade in dieser Zeit der Gefahr und Unsicherheit. Stellen wir uns unter ihren Mantel im Wissen, dass es der Mantel der Gottesliebe ist, die Maria uns vermitteln will. „O Mutter der Barmherzigkeit, den Mantel über uns ausbreit; uns all darunter wohl bewahr, zu jeder Zeit in aller Gfahr.“
Maria lädt ein, unser Leben mit seinen guten und schweren Seiten, seinen Freuden und Leiden aus dem Glauben heraus zu gestalten. Sie steht uns bei in den schweren Zeiten des Lebens, die sie ja auch zur Genüge gekannt hat. Und sie zeigt uns die göttliche Liebe, der sie vertraut hat und der auch wir vertrauen dürfen. Obwohl Kolping nicht besonders viele direkte Zitate über Maria hinterlassen hat, lässt sich in seiner Verkündigung und seinem Engagement eine tiefe Verehrung für die Muttergottes erkennen. In seinen Schriften und Predigten ermutigte er die Gläubigen, Maria als Vermittlerin der Gnade und als Beispiel für einen glaubensstarken Lebensweg zu betrachten.
 
Rainer Auer, Diözesanpräses