
Ich arbeite als palliative Fachkraft auf der Palliativstation unseres Krankenhauses. Wir betreuen erkrankte Menschen im Endstadium ihres Lebens – in Krisensituationen wie Atemnot, bei unerträglichen Schmerzen, Angst- und Panikattacken oder wenn die Familie zu Hause mit der Situation überfordert ist und eine Pause braucht. Unsere Patient*innen sind vom Alter her 20 Jahre und älter.
Im Nachtdienst erzählte mir ein etwa 60-jähriger Patient, dass seine fünfjährige Enkelin am Abend zuvor gebetet habe: „Lieber Gott, mach, dass es meinem Opa morgen wieder besser geht!“ Er schloss mit den Worten: „Und heute Morgen ging es mir seit Wochen das erste Mal etwas besser. Wissen Sie, ich glaube ja eigentlich nicht, aber warum eigentlich nicht?“ Es entspann sich ein langes Gespräch über Glaube, den Glauben unserer Kindheit und wie er sich im Laufe des Lebens verändert hat. Seine Erzählung hat mich lange beschäftigt, sie beschäftigt mich eigentlich immer noch.
Ein Kind, das aus Liebe zu seinem Opa zu Gott betet in der Hoffnung, dass Gott macht, dass es ihm besser geht – im Glauben daran, dass Gott es kann.
Ein Mann, todkrank, der sich nach langem Leidensweg an einem Morgen wieder etwas besser fühlt und Hoffnungsfunken spürt, die genährt werden durch die Liebe und den Glauben seiner Enkelin.
Es ist noch Sommer, es geht schon Richtung Herbst. Vielleicht nehmen wir uns die Zeit, über unsere Liebe zu unseren Mitmenschen, unseren Glauben an Gott und unsere Hoffnung auf die Auferstehung nachzudenken. Befreien wir uns aus der Schwere des Alltags, um uns an die Leichtigkeit unseres Kinderglaubens zu erinnern, ihn aufzufrischen und so alte Fragen neu zu denken.
Ich wünsche euch einen wunderschönen September!
Simone Schröter
Geistliche Leiterin im Kolpingwerk DV Freiburg


